Ushuaia/Argentinien

Heute ist wieder frühes Aufstehen angesagt, denn bereits gegen 07.00 Uhr lenkt unser Kapitän die Oosterdam durch den engen Beagle-Kanal auf der Glacier Alley (Straße der Gletscher), einem spektakulären Abschnitt im Süden Chiles in der Region Feuerland.

Was für eine Landschaft, die da an uns vorbeizieht! Schroffe Felsen links und rechts, schneebedeckte Berge im Hintergrund. Die Besonderheit in diesem Abschnitt des Beagle-Kanals im Nationalpark Alberto de Agostini ist, dass wir eine Reihe von fünf Hauptgletschern passieren, die von den Darwin-Kordilleren direkt ins Meer herabfließen, und so spektakuläre Eislandschaften bilden. Diese Gletscher wurden nach den europäischen Ländern Holland, Italien, Deutschland und Spanien benannt. 

Wir haben beste Sicht u.a. auf den Italia-Gletscher (s. Foto), wo genug Platz ist, dass die "Kids on the Bridge" wieder aktiv werden dürfen und einen "Donut" drehen, so dass auch wirklich jeder Passagier einen guten Blick hat. Das nenne ich einen gelungen Start in den Tag!

Gegen 13.30 Uhr erreichen wir bei 13 Grad und Sonne unseren Liegeplatz im Hafen von Ushuaia, der argentinischen Hauptstadt der Provinz Feuerland. Sie gilt mit rund 64.000 Einwohnern als südlichste Stadt der Welt und ist das Tor zur Antarktis, denn viele Expeditionen starten von hier. Entsprechend voll ist es im kleinen Hafen, denn mit uns liegen hier weitere 4, allerdings meist deutlich kleinere Expeditionsschiffe.

Auf uns sowie Cemal und Corinna, Gerhild und Heinz sowie Jens und Cordula wartet ein (englischsprachiger) Ausflug in den Tierra del Fuego Nationalpark, den wir bei einem örtlichen Anbieter vorab gebucht hatten. Insgesamt sind wir 17 Personen und im Kleinbus geht es mit unserem Guide Carla und Fahrer Axel pünktlich los in den südlichsten Nationalpark Argentiniens, der nur 15 km entfernt liegt. Leider ändert sich schlagartig das Wetter, es regnet mal wieder ziemlich heftig. Beim Verlassen des Buses, um die 30 US pro Person Eintritt am Eingang zu zahlen, kommt somit erstmalig auf dieser Reise meine Regenhose zum Einsatz.

Als erstes steuern wir die Ensenada Bucht am Nordufer des Beagle-Kanals an. Das Besondere: hier steht das südlichste Postamt der Welt  - Correo del Fin del Mondo (s. Foto). Leider ist das aber schon seit über einem Jahr geschlossen ist, weil der Steg einfach zu marode ist. Wir haben Zeit für einen kurzen Spaziergang in der schönen Bucht, dann geht unsere Fahrt auch schon weiter. 

 

Kurze Zeit später stehen wir vor der nächsten Sehenswürdigkeit hier, dem Schild "End of Panamerican Highway". Es befindet sich in der Lapataia-Bucht im Nationalpark und markiert das Ende der befahrbaren Nationalstraße 3, die in Purdhoe Bay in Alaska beginnt und nach über 25.000 (!) Kilometern genau hier endet.

 

 

Im Bus geht es wiederum ein Stück auf der gut befahrenden Straße des Nationalparks durch den subantarktischen Feucht- und Regenwald mit Scheinbuchen und Coihue-Bäumen. Auch zahlreiche Moore und Feuchtgebiete, in den verschiedenste Moos- und Flechtenarten blühen, sind hier zu finden. Am malerischen Lago Roca (s. Bild) machen wir einen kurzen Spaziergang entlang des 11 km langen See und haben einen wunderschönen Ausblick auf die umgebende Landschaft aus Bergen, Wäldern und Gletschern. 

Natürlich besuchen wir auch noch eine weitere Sehenswürdigkeit hier, den Tren del Fin del Mundo (Zug am Ende der Welt). Wir fahren zwar nicht mit in dieser Schmalspurbahn und südlichsten Eisenbahn der Welt, aber während eines Pause an der Zugstrecke kommt später der letzte Zug des Tages direkt an uns vorbei, während wir uns den sehr leckeren einheimischen Guyamallen-Keks (Keks gefüllt mit Dulce Leche) schmecken lassen. Mittlerweile hat sich das Wetter deutlich gebessert, es kommt sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor. 

Statt am Hafen, lassen wir uns in Ushuaia am Ende unseres Ausflugs absetzen. Die Zeit ist arg knapp für den kurzen Spaziergang durch die  Haupteinkaufsstraße Avenida San Martin mit ihren vielen Geschäften, dann geht es direkt Richtung Uferpromenade am Beagle-Kanal. Denn hier steht das bekannte Fin-del-Mundo (Ende der Welt) Schild und ein Besuch in Ushuaia ohne dieses Foto geht gar nicht. Das mit dem Foto klappt noch, dann müssen wir uns beeilen, um noch rechtzeitig zurück auf dem Schiff zu sein. 

Während wir im Main Dining Room ein köstliches Beef Wellington zu Abend essen, heißt es "Leinen los" und durch den Beagle-Kanal geht es nun auf einen sehr spannenden Abschnitt dieser Kreuzfahrt: zunächst Richtung Kap Hoorn und dann durch die Drake-Passage mit Kurs auf die Antarktis. Wir sind gespannt, was Wind und Wellen machen und was wir alles zu sehen bekommen...

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