4. Seetag

Und wieder heißt es früh aufstehen, aber dieses Erlebnis ist es definitiv wert. Bereits um 06.00 Uhr früh erreichen wir Kap Hoorn (s. Bild), die Landspitze auf der chilenischen Felseninsel Isla Hornos. Hier am südlichsten Punkt Amerikas  treffen Atlantischer und Pazifischer Ozean aufeinander. Die Passage um das Kap Hoorn war vor der Eröffnung des Panamakanals im Jahre 1914 eine wichtige Schiffsverbindung vom Atlantik zur amerikanischen Westküste. Wegen der meist sehr rauen See war diese Verbindung auch sehr gefährlich und gehörte deshalb zu den am meisten gefürchteten Schiffspassagen der Welt. Immerhin erreichen hier an 300 Tagen im Jahr die Winde Orkanstärken. Aufgrund der heftigen Strömungen, der riesigen Wellen, der starken Winde und der häufigen Eisberge ist Kap Hoorn auch heute noch eine Herausforderung für jeden Kapitän. Heute findet man auf Kap Hoorn ein Denkmal, einen Leuchtturm, die kleine Kapelle Stella Maris und ein Postamt. Und die Insel ist wirklich bewohnt, denn immer für 12 Monate lebt ein Angehöriger der chilenischen Marine mit seiner Familie hier am Ende der Welt.

Wir haben heute richtig Glück mit dem Wetter: 7 Grad, etwas Nieselregen, das Kap ist gut zu sehen. Und Seegang haben wir keinen. Die "Kids on the Bridge" dürfen wieder ran und drehen die Oosterdam einmal um die eigene Achse. Dabei kriegen wir Gesellschaft: das kleine Expeditionsschiff Ventis Australis kommt und sucht eine gute Position, damit die Passagiere mit Zodiacs an Land gebracht werden können. Zodiacs haben wir nicht, aber einen super Kapitän! Der findet: Keine Wellen, gute Sicht, ich fahre dann mal um das Kap Hoorn herum. So eine Panoramafahrt klappt aufgrund der Wetterbedingungen nicht oft und so genießen wird die Umrundung des 425 m hohen Felsens um so mehr. 

Nachmittags wird es in der Drake-Passage, der berüchtigten Meeresstraße zwischen der Südspitze Südamerikas (Kap Hoorn) und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel etwas schaukeliger, aber mehr als 3 Meter hohe Wellen werden es nicht. Wir treffen uns mit Cemal und Corinna mal wieder zur Teestunde, später dann auf einen leckeren Lima- bzw. Santo Domingo-Cocktail mit Heinz und Gerhild in der Ocean Bar. Natürlich sind wir alle gespannt, was uns die nächsten Tage so erwartet und wie oft der Kapitän und die Brückenbesatzung die geplante Route in der Antarktis anpassen müssen. Als wir nach dem Abendessen zurück auf die Kabine kommen, finden wir auf dem Bett unsere persönliche Urkunde, dass wir erfolgreich die Drake-Passage überquert haben, eine sehr schöne Erinnerung.

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