Die Anfahrt auf den ersten Hafen auf dieser Reise, Puerto Montt in Chile verfolgen wir von unserem Balkon aus. Man hat das Gefühl, in einem Fjord in Norwegen zu sein: links und rechts erheben sich die mächtigen, teils schneebedeckten Berge der Anden, kurze Zeit später wechselt die Landschaft in das chilenische Seenland mit vielen kleinen Inseln. Puerto Montt wurde 1853 von deutschen Einwanderern gegründet, liegt am nördlichen Eingang der chilenischen Fjorde und gilt als das "Tor zu Patagonien". Unsere Oosterdam liegt hier in der vorgelagerten Angelo-Bucht auf Reede und um individuell an Land zu kommen, müssen wir uns reisefertig machen (Bordkarte, Kopie des Reisepasses und die ausgefüllte Erklärung der Landwirtschaft, dass man keine Lebensmittel einführt, sind mitzunehmen) und zur Ausgabe der Tendertickets in die Rolling-Stones-Lounge gehen. Dort werden Tenderticket mit einer Nummer drauf verteilt und man muss dann warten, bis diese Nummer zum Tendern aufgerufen wird. Cemal und Corinna, Gerhild und Heinz sowie Jens und Cordula, mit denen wir heute zusammen unterwegs sein werden, sind auch schon da und kurze Zeit später sitzen wir in einem der ersten Tenderboote, das uns in einer Viertelstunde an Land bringt. Dort am Fähranleger werden wir von unserem Guide Denis Purtov auf Deutsch begrüßt. Wir sind alle sehr gespannt, was wir 8 heute mit ihm alles entdecken werden.
Von Aussichtpunkt Mirador Manuel Montt haben wir einen hervorragenden Blick über 250.000 Einwohner zählende Hafenstadt sowie den Hafen und die Bucht, bevor es im Bus hinausgeht Richtung Lago Llanquihue, dem zweitgrößten See Chiles. 30 Kilometer östlich dieses Sees liegt der aktivste Vulkan des Landes, der 2652 Meter hohe Osorno. Wir haben wirklich Glück: einen ganz kurzen Augenblick reißt die Wolkendecke auf und wir sehen zumindest den oberen Teil des angeblich schönsten Vulkans der Welt mit seiner schneebedeckten Kuppe (s. Foto)! Fünf Minuten später ist der Vulkan nicht mehr zu sehen. Wenigstens etwas, denn ein Blick auf den zweiten Vulkan Calbuco südlich des Sees bleibt uns aufgrund der dichten Wolken verwehrt.
Nach knapp 90 Minuten Fahrt erreichen wir unser erstes Ziel: die im Nationalpark Vicente Pérez Rosales gelegenen Stromschnellen Petrihue. Wir zahlen die 8,20 Euro/Person Eintritt problemlos mit Kreditkarte und erreichen über gute ausgebaute Wege und Holzstege diese Sehenswürdigkeit.
Es handelt sich dabei um eine Serie von Wasserfällen und tosenden Stromschnellen, bei denen der smaragdgrüne bis türkisfarbene Río Petrohué durch ein Bett aus schwarzen Lavabasaltfelsen fließt. Diese Felsen stammen von vergangenen Ausbrüchen des nahegelegenen Vulkans Osorno. Das alles ist eingebettet in eine tolle grüne Natur, schade nur, dass es heute so bedeckt ist und somit die Vulkane im Hintergrund nicht zu sehen sind. Wie toll muss das wohl bei Sonne und blauem Himmel aussehen?
Im vorgenannten Nationalpark liegt ein paar Kilometer entfernt eine weitere Sehenswürdigkeit, die wir nach kurzem Spaziergang durch den dichten Wald erreichen: die Laguna Verde (grüne Lagune), ein malerischer, smaragdgrüner See, der aus einem Krater vom Vulkan Osorno entstand und grün wegen der Algen ist. Vom Aussichtspunkt ein paar hundert Meter weiter genießen wir dann noch einen schönen weiten blick auf den Llanquihue-See, an dessen Ufer wir auf der Hinfahrt ja bereits entlang gefahren sind.
Das ebenfalls von deutschen Auswanderern gegründete Puerto Varas am Südufer des Sees besuchen wir als nächstes. Aufgrund des einsetzenden Regens fällt der Rundgang durch den Ort mit seinen schönen Häusern sehr kurz aus. Letzter Halt unseres Ausfluges ist dann zurück in Puerto Montt der Fischmarkt Mercado Angelmo am Hafen. Wir schauen uns die verschiedenen Angebote an Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse in den Hallen an und machen sehen draußen am Hafen noch den Seelöwen zu, die auf der Suche nach Fischresten sind.
Zurück an Bord finden wir unsere frischgewaschene Wäsche vor, die Rotweinflecken aus meinem T-Shirt sind nicht raus, aber zumindest ein wenig blasser geworden. Gegen 17.00 Uhr wird die Ankerkette hochgezogen und wir verlassen Puerto Montt auf den gleichen Weg durch die Inside Passage, durch die wir morgens hier her gekommen sind. Und dann kommt passend dazu auch noch die Sonne heraus, all das lässt sich im Crows Nest vorne auf Deck 12 bei einem Nespresso Martini sehr gut verfolgen. Auch ein paar Seelöwen bekommen wir bei der Fahrt durch diese tolle Landschaft einmal ganz kurz zu Gesicht. Wir genießen diese Aussicht noch ein wenig, bevor wir uns dann beim Abendessen im Main Dining Room weiter verwöhnen lassen.