Stanley/Falklandinseln (GB)

Die etwas frühere Abfahrt aus der Antarktis hat sich gelohnt, denn bereits um 07.00 Uhr erreichen wir unseren Ankerpunkt in der Bucht von Blanco Bay im Norden der Falklandinseln. Diese bestehen aus vielen kleinen und auch ein paar größeren Inseln, die zerklüftet im südlichen Atlantik liegen. Hier gibt es deutlich mehr Schafe (500.000) als Einwohner (2.500), sehr viele Magellangänse und vor allem: zahlreiche verschiedene Pinguinarten, wie Gento-, Magellan- und Felsenpinguine.  Heute spielen auch die Wetterbedingungen mit: moderater Wind, 10 Grad und ein nur mäßig bewölkter Himmel, aus dem immer mal wieder die Sonne hervorlugt. Da sind wir wirklich mit Glück gesegnet, denn oftmals ist hier das Anlanden aufgrund der starken Winde nicht möglich. Heute aber passt es und so sind wir zusammen mit Jens und Cordula in einem der ersten Tenderboote, die uns in knapp 20 Minuten hinüber an die Pier in Port Stanley, Hauptstadt und auch einzige Stadt des britischen Überseegebietes, bringen.

An der Pier finden wir vier recht schnell Jimmy Curtis, bei dem wir unseren Ausflug zum Volunteers Point gebucht haben. Er übergibt uns an Bradley, mit dem wir im Allradfahrzeug hinaus Richtung Norden durch eine Landschaft fahren, die an Schottland erinnert. Bäume gibt es hier gar nicht, die hügelige Landschaft ist geprägt von weiten grünen Feldern mit Schafen und zahlreichen Moorflächen. Ein kurzes Stück fahren wir noch auf der asphaltierten Hauptstraße, aber als wir Richtung Küste abbiegen, ändert sich das sofort: Von nun an geht es über eine Schotterpiste, bis wir nach 55 Kilometern Johnson Harbour, eine kleine Schaffarm, erreichen. Nach einer kleinen Pause geht es weiter auf die letzten 25 Kilometer durch das private Naturschutzgebiet der Farm und die haben es wirklich in sich. Wir fahren im Konvoi mit anderen Allradfahrzeugendurch durch unwegsames Gelände, ein Weg ist kaum zu erkennen, und wir werden gut durchgeschüttelt. 

Nach insgesamt knapp 2 Stunden Fahrzeit erreichen wir endlich den Volunteer Point, eine Bucht im Nordosten, die nach einem gesunkenen Schiff benannt wurde. 

Bekannt ist diese Bucht aber für die riesige Kolonie an Königspinguinen (s. Foto), die hier neben Magellan- und Eselspinguinen in der rauen Landschaft brüten. Um die Kolonie der zweitgrößten Pinguine der Welt ist eine Markierung auf dem Boden angebracht, die wir nicht überschreiten sollen. Dennoch ist man sehr, sehr nahe an den Tieren, die auch richtig laut werden können, wenn sie sich untereinander verständigen. Aber süß sehen sie aus mit ihrer schwarz-gelben Markierung am Kopf und dem schwarze Frack auf der Rückseite. Auch ganz kleine Babys, die sich noch zwischen den Füßen der Eltern befinden und sich oft nur mal ganz kurz zeigen, können wir in der Masse ausmachen, ebenso wie Pinguine im Jugendalter, erkennbar an ihrem braunen Fell.  

Auf der anderen Seite der Bucht befindet sich ein langer weißer Sandstrand und immer wieder kommen Gruppe von mehreren Königspinguinen dort hinunter, um baden zu gehen. Das ist echt lustig anzusehen, wie die Pinguine da so hintereinander runterwatscheln. Ins Wasser gehen sie leider dann nicht, denn in der Ferne taucht ein Feind in Form eines Seelöwen aus dem Wasser auf. Es ist einfach schön, diese Tiere so aus der Nähe zu beobachten, hier könnte man ewig verweilen. Gefühlt viel zu schnell sind unsere 2 Stunden Aufenthalt am Volunteer Point zu Ende und die abenteuerliche Fahrt im Allradfahrzeug führt uns auf dem gleichen Weg wieder zurück in die Stadt.

Zurück an der Pier in Port Stanley merken wir, wie der Wind zugenommen hat, man kommt kaum gegen ihn an. Trotzdem nehmen wir uns Zeit für einen kurzen Rundgang durch diese typische englische Stadt mit schönen Vorgärten und kleinen Häusern. An der Ross Road, der Hauptstraße, die direkt am Wasser entlang läuft, stehen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier findet man die südlichste anglikanische Kathedrale der Welt, die Christ Church (s. Foto) mit dem berühmtem Whalebone Arch. Dieser Bogen wurde zum 100jährigen Bestehen der britischen Verwaltung im Jahre 1933 errichtet und besteht aus den Kieferknochen zweier Blauwale.

Auf unserem weiteren Weg kommen wir vorbei am Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen im Falkland-Krieg, am Mahnmal zur Erinnerung an die Seeschlacht von 1914, dem Postamt mit typisch roter englischer Telefonzelle sowie dem Falklandmuseum, das sich mit dem Konflikt zwischen Großbritannien und Argentinien im Jahr 1982 beschäftigt. 

Aufgrund des immer stärker werdenden Windes muss unser Kapitän die Position der Oosterdam draußen in der Bucht ein wenig verlagern und so warten wir fast eine Stunde an der Pier, bis wir mit dem Tenderboot dorthin übersetzen können. Die Winde mit 110 km/h machen sich bemerkbar, es schaukelt schon ein wenig mehr als heute morgen. Ansonsten ist das Wetter nach wie vor top: 16 Grad und mehr Sonne als Wolken, das hat man hier nicht immer auf den Falklandinseln. Freunde von uns, die mit einem anderen Kreuzfahrtschiff hier 2 Tage später tendern sollten, hatten nicht das Glück. Die Wetterbedingungen hatten sich rapide verschlechtert und somit fiel der Besuch der Falklandinseln aus!

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