Über Nacht legen wir die kurze Strecke von 72 Seemeilen bis Montevideo in gemächlichem Tempo zurück und als wir aufwachen, liegen wir als erstes Kreuzfahrtschiff bereits fest vertäut an der Pier im geschützten Hafen von Uruguays Hauptstadt. Die Sonne strahlt schon morgens vom Himmel, auch heute sind wieder Temperaturen bis 26 Grad angesagt. Nach und nach laufen mit der MSC Fantasia und der Costa Diadema zwei weitere große Kreuzfahrtschiffe in den Hafen ein. Gut, dass wir so früh da waren, denn wir liegen am Liegeplatz A und von dort ist der Weg zu Fuß in die Stadt eindeutig kürzer als von den anderen Liegeplätzen. Aber wuselig ist es im Hafen angesichts der vielen Passagieren von 3 Schiffen dennoch und es dauert einige Zeit, bis unsere Gruppe - die aus den gleichen Personen besteht, wie gestern - dann Birgit und Fahrer Pablo vor dem Hafentor treffen. Birgt erläutert uns kurz ihren Plan für den heutigen Ausflug, zunächst fahren wir mit dem Bus in die Außenbezirke von Montevideo und am Schluss erkunden wir die Altstadt zu Fuß, in der Hoffnung, dass es dort nicht mehr ganz so voll sein wird.
Auf dem Weg an der Küstenstraße entlang, bei dem wir einen schönen Blick auf diverse Strände haben, erfahren wir mehr über das Land und die Kultur. Uruguay ist halb so groß wie Deutschland, die meisten der 3,5 Millionen Einwohner leben in Montevideo und Umgebung. Montevideo hat auch den längsten Karneval der Welt, hier wird 40 Tage von Ende Januar bis Anfang März gefeiert und die Eröffnungsparade dazu auf der Prachtstraße Avenida 18 de Julio fand erst vor ein paar Tagen statt.
Nach einem kurzen Fotostopp am bekannten und über 2 Meter hohem weißen „Montevideo“-Schild an der Küstenstraße direkt an der Playa Pocitos, halten wir an der Plaza Virgilio (s. Foto), die im eleganten Viertel Carrasco unweit der Küstenstraße liegt. Der Platz ist bekannt für sein Denkmal und wir genießen einen wunderschönen Ausblick auf den Río de la Plata, noch bevor die ersten Ausflugsgruppen der Kreuzfahrtschiffe eintreffen.
Das Stadion Estadio Centenario, in dem 1930 die erste FIFA-Weltmeisterschaft stattfand sowie das nationael historische Monumento a la Carreta, welches an die Ochsenkarren-Fahrer des 19. Jahrhunderts und die frühen Pioniere, die das Landesinnere von Uruguay erschlossen, erinnert, sind weitere Haltepunkte auf unser Rundfahrt. Auch das im neoklassizistischen Stil errichtete Parlamentsgebäude Palacio Legislativo, das aus 24 Arten von uruguayischen Marmor erbaut wurde und die bekannte Markthalle Mercado Agricola besuchen wir.
Auf dem Plaza Independencia (s. Foto), dem wichtigsten Platz in Montevideo, startet unser Spaziergang durch die Altstadt. Wir besuchen das beeindruckende Mausoleo de Artigas, das dem Nationalhelden José Artigas gewidmet ist und bewundern den markanten Palacio Salvo mit seinen kleinen Ecktürmchen, das einst das höchste Gebäude Südamerikas war. Durch das alte Stadttor Puerta de la Ciudadela spazieren wir hinein in die Altstadt mit ihren Kolonialbauten. In den kleinen Gassen mit Cafés, Boutiquen und Kunstgalerien ist viel los, denn einige Karnevalsgruppen ziehen durch die Gegend und zeigen ihre tänzerischen Darbietungen mit entsprechender Musikbegleitung. Uns zieht es aber in die CatArte Tapasbar, wo Birgit für uns eine kleine Weinprobe organisiert, dabei lernen wir mehr über den Anbau von Tannat, der roten Traube Uruguays und dürfen den Wein natürlich auch probieren. Gemeinsam besuchen wir danach noch die Kathedrale an der Plaza de la Constitution, dann ist unser knapp vierstündiger Ausflug mit Birgit leider zu Ende und wir verabschieden uns herzlich von ihr.
Andreas und ich lassen uns dann Cappuccino und Beerentarte im charmanten und historischen Café Brasilero von 1817 schmecken, bevor wir uns auf den Rückweg Richtung Hafen machen. Über den schönen grünen Park Plaza Zabala geht es wieder hinein in belebte Gassen, bis wir die Markhalle Mercado de Puerto erreichen. Da ist es uns zu voll, daher kehren wir gleich gegenüber in der Alfajores Del Uruguay ein. Hier müssen wir die bekannten Alfajores natürlich direkt probieren und lassen uns die Kekse mit Orangenfüllung zu einem Espresso schmecken.
Wir sind kaum zurück an Bord, da können wir vom Balkon schon das Ablegen der beiden anderen Kreuzfahrtschiffe beobachten. Wir jedoch haben noch 2 Stunden bis zum Ablegen um 18.00 Uhr und die verbringen wir bei bestem Wetter ganz relaxt auf unserem Balkon.
Das Abendessen im Main Dining Room fällt für uns etwas kleiner aus, wir sind noch gut gesättigt von den Köstlichkeiten tagsüber. Traditionell findet gegen Ende der Tischzeit dann noch die große Abschiedsparade der Kellner und Köche statt. Diese ziehen unter großem Applaus der Gäste zu einem bekannten philippinischen Volkslied singend hintereinander in einer langen Reihe durch die beiden Etagen des Restaurants und danken somit den Gästen auf dieser Reise - eine schöne Tradition, wie ich finde.