Antarktische Halbinsel Tag 1

Sonnenaufgänge in der Antarktis sollen etwas Besonderes sein und deshalb hatten wir uns früh um 03.50 Uhr den Wecker gestellt, da die Wettervorhersage eigentlich ganz gut war. Die Realität sah allerdings anders aus - zu viele Wolken, schade. 

Beim Aufstehen 2 Stunden später erblicken wir dann vom Balkon den ersten Eisberg in der Ferne - wir sind also nun wirklich angekommen auf dem "7. Kontinent". Kurze Zeit später passieren wir mit der Palmer-Station auf der Anvers-Insel die einzige US-amerikanische Antarktis-Forschungsstation, die nördlich des südlichen Polarkreises liegt. Die beste Sicht auf das, was draußen an uns vorbeizieht, haben wir im Crows Nest am Bug des Schiffes, wo ab heute auch ein Informationsstand über die Antarktis aufgebaut ist. Hier erfährt man mehr über den weißen Kontinent und seiner Tierwelt. Die bekommen wir auch direkt gleich live zu Gesicht, denn mehrere Buckelwale begleiten uns und tauchen immer wieder neben dem Schiff auf. Und das Kino da draußen geht weiter: Eisberge unterschiedlicher Größe und Formen und kleine Eisschollen ziehen vorbei, dann wiederum schwimmende Pinguine, unglaublich, was wir hier sehen und erleben dürfen. 

Gegen 10.00 Uhr erreichen wir Port Lockroy (s. Bild), eine ehemalige britische Forschungsstation. Sie liegt umgeben von schönen Gletschern und schroffen Bergen der Insel Wiencke Island und beherbergt zudem eine große Anzahl von Eselspinguinen, die wir vom Deck nicht nur sehen, sondern schon ein wenig riechen können. Auf Port Lockroy steht auch das südlichste öffentliche Postamt der Welt und da wir nicht anlanden können, werden die von den Passagieren der MS Oosterdam geschriebenen Postkarten mit einem Zodiac der hier auf Reede liegenden MS Hamburg abgeholt und dann dort an Land gebracht - ein netter Service. Unser Schiff verweilt eine Zeit hier, die "Kids on the Bridge" sind wieder mit der Drehung des Schiffs beschäftigt und wir genießen draußen vorne am Bug unser erstes Highlight in der Antarktis. Passend dazu klart es auf, die Sonne zeigt sich und es ist trotz des Windes bei 2 Grad nicht so kalt, wie gedacht. 

Eine Bucht weiter hat unser Kapitän noch etwas Besonderes vor. Dort liegt nämlich schon die Seabourn Pursuit mit dem Bug zu uns und da sich die Kapitäne beider Schiffe sehr gut kennen, gibt es ein abgesprochenes Wiedersehen der etwas anderen Art: Wir nähern uns der Seabourn so nah wie möglich an, so dass beide Schiffe dann Bug an Bug liegen! Entsprechend voll ist es vorne auf dem offenem Bugdeck der Oosterdam, jeder genießt diesen Anblick des auf einmal echt großen und hohen Seabourn-Schiffes direkt vor uns. Die von HAL gemachten Drohnenaufnahmen, die wir später sehen, zeigen dann ebenfalls beeindruckende Seitenaufnahmen, da sieht man dann erstmal, wie dicht die beiden Schiffe voreinander liegen.

Ein anderer Plan klappt dagegen leider nicht: In der Paradise Bay, wo wir die Nacht über driften wollten, ist zu viel Eis und die Ansteuerung auf Paradise Harbour somit für die Oosterdam nicht möglich. Zudem zieht dort eine Schlechtwetterfront durch. Aber die Brücke hat bereits den nächsten Plan aus der Schublade gezogen, es geht stattdessen in die Dallmann Bay. Diese liegt zwischen der Anvers-Insel (da sind wir ja schon vorbeigekommen) und der Brabant-Insel auf der anderen Seite und ist eisfrei. 

Und es gibt wieder viel zu sehen auf dem Weg in die Dallmann Bay. Eisberge unterschiedlichster Formen und Größen (die auf dem Foto fand ich schon sehr besonders!) ziehen vorbei und dann quert eine große Anzahl von Killerwalen unseren Weg. Und da wir Zeit und einen coolen Kapitän haben, verweilt die Oosterdam fast 2 Stunden (!) auf der Stelle, damit wir Passagiere dieses Naturschauspiel von den diversen Außendecks beobachten können. Andreas und ich haben uns auf dem Promenadendeck positioniert und wechseln immer mal wieder die Seite, um die Wale, die sich leider auch den einen oder anderen Pinguin einverleiben, zu beobachten.

Und das Wetter wird tatsächlich besser, denn als wir zur Abendessenszeit in die Bucht einlaufen, zeigt sich auch mal die Sonne. Nach dem Abendessen geht es noch auf ein Getränk in die Ocean Bar, denn dieser erste Tag in der Antarktis mit seinen Eindrücken muss einfach gefeiert werden. Was uns wohl morgen erwartet?

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